Aus 90 Klicks wurde keine einzige Anfrage
Am 05.09.2026 um 23:26 Uhr haben wir die erste von zwei Kampagnen in ChatGPT scharf geschaltet, die zweite lief um 00:30 Uhr an. Beide zielten auf Deutschland, beide auf Menschen, die einen Onlineshop betreiben. Die eine bewarb die Einrichtung von Anzeigen in ChatGPT, die andere die automatische Produktanlage in einem Shop. Um 12:38 Uhr am nächsten Mittag haben wir beide wieder pausiert.
| Kampagne | Einblendungen | Klicks |
|---|---|---|
| Anzeigen in ChatGPT | 6.750 | 45 |
| Produktanlage | 5.039 | 45 |
| zusammen | 11.789 | 90 |
Abgebucht wurden dafür 150 Euro.
Angefragt hat niemand. Das steht an zwei Stellen, die nicht voneinander abhängen: das Werbekonto weist null Abschlüsse aus, und in unserem Versandprotokoll liegt seit dem Start der Auslieferung keine einzige Anfrage-Mail. Jede abgeschickte Anfrage löst eine aus.
Verteilt hat sich die Auslieferung anders, als der nächtliche Start vermuten lässt. Auf die Stunden zwischen 23 und 6 Uhr entfallen 3.598 Einblendungen, auf den Vormittag danach die übrigen. Die stärkste Stunde war die zwischen 9 und 10 Uhr.
Über die Menschen hinter den Klicks erfährt man so gut wie nichts
Das ist der eigentliche Befund dieses Tests, und er wiegt schwerer als das Ergebnis. Nach 11.789 Einblendungen weiß man kaum mehr über die Menschen, die sie gesehen haben, als vorher.
Das Werbekonto kann die Zahlen nach drei Dingen aufteilen: nach beworbenem Produkt, nach Land und nach Gerät. Das war es. Zum Vergleich, was bei Meta dokumentiert ist: Alter, Geschlecht, Alter und Geschlecht zusammen, Land, Region innerhalb eines Landes, auf welcher Plattform die Anzeige lief, an welcher Stelle dort, und auf welchem Gerät sie erschien.
Praktisch heißt das: Wir wissen, dass alle Einblendungen nach Deutschland gingen und fast alle auf ein Handy. Ob die Menschen dahinter dreißig oder sechzig waren, ob sie in Hamburg oder in Passau saßen, ob die Anzeige mitten im Gespräch stand oder daneben, all das steht nirgends. Bei einer Kampagne, die nichts einbringt, ist genau das die Information, die man bräuchte, um zu entscheiden, ob man es anders noch einmal versucht oder es sein lässt.
Nach der Kampagne bleibt keine Zielgruppe übrig
Der zweite Teil desselben Problems. Bei anderen Kanälen sammelt sich während einer Kampagne etwas an, mit dem man später weiterarbeiten kann: die Menschen, die auf der Seite waren, werden zu einer Liste, und die nächste Kampagne spricht sie erneut an oder sucht ähnliche. Bei Meta ist genau das dokumentiert, gefüttert aus dem Messpunkt auf der eigenen Seite und geregelt über Bedingungen wie "war auf dieser Seite" oder "hat dieses Ereignis ausgelöst".
Hier gibt es eine Zielgruppenverwaltung, und sie funktioniert anders. Man lädt eine Datei mit den Kennungen der eigenen Kunden oder Interessenten hoch, also eine Liste, die man ohnehin schon hat. Einen Weg, eine Zielgruppe aus den Menschen zu bilden, die eine Anzeige gesehen haben, beschreibt die Dokumentation nicht.
Dazu kommt eine Einschränkung, die für uns alles entscheidet: Für Kampagnen, die den Europäischen Wirtschaftsraum oder die Schweiz ansprechen, ist die Zielgruppenverwaltung ausdrücklich nicht unterstützt, weil personalisierte Anzeigen dort noch nicht verfügbar sind. Unsere Kampagnen zielten auf Deutschland. Eine Zielgruppe wäre für sie also selbst dann nicht einsetzbar gewesen, wenn wir eine gehabt hätten.
Neun von zehn Einblendungen gingen an ein Handy
Die eine Aufteilung, die es gibt, ist für diesen Fall immerhin die aufschlussreichste:
| Gerät | Einblendungen | Klicks |
|---|---|---|
| Handy | 10.771 | 87 |
| Rechner | 1.018 | 3 |
91,4 Prozent der Einblendungen und 96,7 Prozent der Klicks kamen vom Handy. Auf dem Rechner wurde bei tausend Einblendungen dreimal geklickt.
Nach Land gefragt liefert die Auswertung eine einzige Zeile, Deutschland, mit allen 11.789 Einblendungen. Andere Länder tauchen nicht auf.
Wer davor saß, verrät das Werbekonto nicht, und ob diese Menschen einen Shop betreiben, steht dort ebenfalls nicht.
Was die Kampagne gekostet hat, sieht man erst Stunden später
Von den 150 Euro zeigte das Werbekonto lange nur einen Teil. Eine gute halbe Stunde nach dem Abschalten wies es noch nicht einmal die Hälfte aus.
Der Grund steht in der stundenweisen Ansicht. Von fünfzehn Stundenzeilen trugen nur die sieben ältesten einen Betrag; in den acht jüngsten lagen zwei Drittel aller Einblendungen, ausgewiesen mit null. Eine Dreiviertelstunde später war eine weitere Stunde dazugekommen.
Wer eine laufende Kampagne am selben Tag nach den Kosten fragt, bekommt also einen Zwischenstand, der noch steigt. Eine zweite Stelle zum Nachsehen gibt es nicht: eine Abrechnungsübersicht führt die Schnittstelle nicht.
Für ein Angebot an Profis hat dieser Platz nichts gebracht
Zwei Kampagnen an Shop-Betreiber haben 11.789 Einblendungen und 90 Klicks gebracht, dazu keine einzige Anfrage. Die eine lief dreizehn Stunden, die andere zwölf. Fast alles davon lief auf Handys.
Unser Bericht vom 01.09.2026 hatte an acht fremden Feldtests beschrieben, dass fünf davon auf null oder fast null Abschlüsse kamen und alle fünf um Marketer warben. Die Erklärung dort war, dass diese Zielgruppe die Anzeigen gar nicht sieht, weil Werbung in ChatGPT nach OpenAIs eigener Angabe nur in den kostenlosen und den günstigen Tarifen läuft. Unser Lauf unterscheidet sich in drei Punkten: er richtete sich an Shop-Betreiber, er dauerte Stunden statt Wochen, und die Anzeigen wurden ausgeliefert und geklickt. Das Ergebnis ist in allen sechs Fällen dasselbe.
Für einen Shop mit Endkundschaft bleibt die Frage offen. Was dieser Lauf sagt, ist zweierlei: für ein Angebot an Profis hat der Platz in diesen Stunden nichts gebracht, und wer hier wirbt, bekommt danach weniger Auskunft darüber, an wen, als er es von anderen Kanälen gewohnt ist.





