Werbung in ChatGPT ist in Deutschland seit dem 31.08.2026 selbst buchbar
Am 24.08.2026 hat OpenAI begonnen, Anzeigen in 31 europäischen Märkten auszuliefern, Deutschland darunter. Buchbar waren sie zunächst nur über OpenAIs eigenes Vertriebsteam und über sechs Agenturgruppen. Am 31.08.2026 kam der Anzeigenmanager dazu, also die Oberfläche, in der ein Werbetreibender seine Kampagnen selbst anlegt. In OpenAIs Länderliste steht am 01.09.2026 hinter Germany der Eintrag Available, und die Seite war zu diesem Zeitpunkt fünf Stunden alt.
Die Anzeige ist eine Text-Bild-Fläche mit Markenname, Logo, Überschrift, Text und Zielseite. Sie erscheint unterhalb der Antwort, die ChatGPT gerade gegeben hat. Ausgesteuert wird sie über Kontexthinweise, also Beschreibungen der Gespräche und Themen, in denen ein Angebot passen könnte. In Europa laufen die Anzeigen zum Start ohne Personalisierung: als Signale nennt OpenAI das Gesprächsthema, eine grobe Standortangabe und den Gerätetyp. Gesundheit und Politik bleiben werbefrei.
Anzeigen erreichen nur Free und Go, jeder höhere Plan bleibt werbefrei
Das ist die Angabe, aus der sich der Rest dieses Berichts erklärt, und sie steht in OpenAIs eigener Ankündigung zum Europa-Start:
As in our existing markets, ads will be shown only to users on the Free and Go plans. Plus, Pro, and Enterprise subscriptions will remain ad-free.
Go ist der günstigste Bezahlplan und trägt trotzdem Werbung. Die Trennlinie verläuft damit zwischen Free und Go auf der einen Seite und Plus aufwärts auf der anderen.
Für den deutschen Markt hat das eine unangenehme Zuspitzung. Sam Altman hat dem Handelsblatt am 14.08.2026 gesagt, Deutschland sei nach OpenAI-Angaben der größte europäische ChatGPT-Markt bei zahlenden Abonnenten und gehöre weltweit zu den Top drei bei Bezahl-Abos. Genau die Nutzer, die diesen Markt für OpenAI groß machen, sind für Werbung nicht erreichbar. Wie viele das sind, lässt sich nicht beziffern: OpenAI veröffentlicht keine Nutzerzahl für Deutschland und keine Aufteilung zwischen Free und Go.
OpenAI empfiehlt drei bis fünf Dollar je Klick, gemessen wurden bis zu dreizehn
Abgerechnet wird wahlweise je tausend Einblendungen oder je Klick, das Gebot setzt der Werbetreibende selbst als Obergrenze. Zum Einstieg empfiehlt OpenAI in der Dokumentation ein Höchstgebot von drei bis fünf US-Dollar je Klick. Das ist die einzige konkrete Preisangabe, die das Unternehmen macht.
Gemessen wurde in den veröffentlichten Tests zwischen 1,72 und 13 Dollar je Klick. Ein Shopify-Händler zieht den Vergleich, auf den es für einen Shop ankommt.
We tried it for a month and it's not worth it at all don't do it. CPC is triple of what we pay for Google and CTR is less than a tenth of Google. I would still stick to Google ads for now until chatgpt ads matures.
Ein Mindestbudget in Höhe von 50.000 Dollar, das in Foren weiter kursiert, gibt es nicht mehr. Es galt im Frühjahr für den US-Start und wurde inzwischen gestrichen. Was OpenAI stattdessen dokumentiert, ist ein Mindest-Tagesbudget je Abrechnungswährung, in den USA 25 Dollar, in Großbritannien 15 Pfund. Die Tabelle führt zehn Länder und darunter keine Euro-Zeile, obwohl über zwanzig Euro-Länder Self-Service haben. Für ein deutsches Konto steht der Betrag also nirgends.
Acht Werbetreibende haben ihre Zahlen veröffentlicht, fünf davon kamen auf null
Wir haben jeden dieser Berichte im Volltext gelesen und jede Zahl in der Primärquelle nachgeschlagen. Fünf der acht nennen ihren Einsatz, zusammen 63.039 Dollar. Rund 60.000 davon entfallen auf einen einzigen Test, die übrigen vier liegen zwischen 200 und 1.200 Dollar. Drei Berichte nennen keinen Betrag.
E-Commerce, Branche nicht genannt
- Einsatz
- rund 60.000 USD in 15 Tagen
- Klickpreis
- 1,72 USD
- Ergebnis
- 1,49-faches ROAS, 2,35 Prozent Abschlussquote
Wellness-Coaching an Endkunden
- Einsatz
- 1.139 USD in 6 Wochen
- Klickpreis
- 2,87 USD
- Ergebnis
- 22 Anfragen, 52 USD je Anfrage
gemischte Kundenkonten
- Einsatz
- nicht genannt
- Klickpreis
- rund 5 USD
- Ergebnis
- rund 2 Prozent Abschlussquote, halb so hoch wie organischer ChatGPT-Traffic
SEO-Software an Marketer
- Einsatz
- nicht genannt, 2 Wochen
- Klickpreis
- nicht genannt
- Ergebnis
- 1.263 Klicks, sehr wenige Anmeldungen, Kanal beendet
PPC-Agenturleistung an Marketer
- Einsatz
- 1.200 USD in rund 2 Wochen
- Klickpreis
- 13 USD
- Ergebnis
- 92 Klicks, 0 Abschlüsse
Agenturleistung an Entscheider
- Einsatz
- 08. bis 25.06.2026
- Klickpreis
- 7,16 CAD
- Ergebnis
- 58 Klicks, 0 Anfragen
White-Label-PPC und SEO an Agenturen
- Einsatz
- rund 500 USD in einem Monat
- Klickpreis
- rund 9 USD
- Ergebnis
- 53 Klicks, 1 abgebrochenes Formular
Marketing-Software
- Einsatz
- 200 USD, in 2 Tagen verbraucht
- Klickpreis
- rund 5 USD
- Ergebnis
- rund 40 Klicks, 0 Abschlüsse
Die Beträge stehen in der Währung der jeweiligen Quelle. Choice OMG rechnet in kanadischen Dollar und hat eine frühere Fassung des eigenen Berichts, die US-Dollar auswies, ausdrücklich korrigiert.
Die fünf Tests ohne Abschlüsse warben alle um Marketer
In der Tabelle steht die Erklärung neben dem Ergebnis. SEO-Software, PPC-Agenturleistung, Agenturberatung, White-Label-Dienstleistung für Agenturen, Marketing-Software: alle fünf Nulltests bewerben etwas an Menschen, die beruflich mit KI arbeiten. Diese Zielgruppe sitzt auf Plus, Pro oder einem Geschäftsplan und sieht die Anzeigen gar nicht.
Bemerkenswert ist, dass drei der fünf genau das selbst als Grund nennen. Choice OMG führt die null Anfragen darauf zurück, dass Agentur-Entscheider überproportional bezahlte Pläne nutzen. SE Ranking schreibt dasselbe über Agenturchefs und SEO-Verantwortliche. Grow My Ads formuliert es am knappsten: das eigene Wunschprofil sitze auf werbefreien Bezahltarifen.
Damit sagen diese fünf Tests wenig über einen Shop aus, der Endkunden bewirbt. Sie sagen etwas über die Auswahl der Zielgruppe. Die drei Berichte mit Ergebnis richten sich sämtlich an Endkunden.
Ein Händler formuliert dieselbe Beobachtung von der anderen Seite.
Not worth it as the ads target people who don't pay for chatgpt, so those are likely people not going to spend on ecommerce and if they do they will not spend a lot.
Das ist die entgegengesetzte Erwartung: die Zielgruppe ist erreichbar und hat zu wenig Geld. Belegt ist davon bislang keine Seite. Die vorliegenden Zahlen zeigen nur, dass die Tests mit Endkundenbezug Abschlüsse hatten und die Tests mit Marketerbezug keine.
Ein eigener Lauf ist seither dazugekommen. Am 05. und 06.09.2026 brachten zwei Kampagnen aus unserem Konto 11.789 Einblendungen und 90 Klicks, alle Einblendungen nach Deutschland, ohne einen Abschluss und ohne eine Anfrage. Wen diese beiden Anzeigen bewarben und was ein Lauf dieser Größe hergibt, steht in 150 Euro ChatGPT Ads Test.
Der größte veröffentlichte Einsatz kam auf ein 1,49-faches ROAS
Opascope hat über 15 zusammenhängende Tage rund 60.000 Dollar in ChatGPT-Anzeigen gesteckt und rund 89.000 Dollar Umsatz zugeordnet, bei 1,72 Dollar je Klick und 2,35 Prozent Abschlussquote. Das ist der mit Abstand größte öffentlich dokumentierte Einsatz und der einzige mit einem belegten Rückfluss in dieser Größenordnung.
Eine Einschränkung nennt Opascope selbst: das Tages-ROAS schwankte zwischen dem 0,2-fachen und dem 2,9-fachen. Wer diesen Kanal an drei Tagen misst, misst je nach Auswahl der Tage ein Desaster oder einen Erfolg.
Zwei kleinere Stimmen aus Händler-Threads gehen in dieselbe Richtung, beide ohne Zahl.
Yeah two different things, I've been playing around with ads to some success, lower cpc than search but less volume.
ChatGPT ads work, if you have retargeting/ proper attribution setup. We see a lot of clicks but no conversion. However, with good retargeting, we are seeing positive results.
Beide nennen keinen Betrag, keinen Klickpreis und keine Abschlussquote, und beide stehen damit neben den bezifferten Berichten, ohne deren Zahlen zu berühren.
Ein zweiter Bericht mit Ergebnis kommt von der Agentur MalachiSoft: 32.897 Einblendungen, 397 Klicks zu 2,87 Dollar, daraus 22 Anfragen zu durchschnittlich 52 Dollar, über sechs Wochen für ein Wellness-Coaching. Der Kunde wird nicht genannt und es gibt keine Kontobelege, die Zahlen sind also nicht unabhängig prüfbar.
Die Plattform meldet mehr Klicks, als in den eigenen Analysewerkzeugen ankommen
Das ist der Befund, der sich durch die meisten Berichte zieht, und er betrifft die Messung statt den Preis. Symphonic Digital hat 53 von der Plattform gemeldete Klicks gegen 35 Sitzungen in Google Analytics gestellt, eine Lücke von rund einem Drittel. Die Agentur Cleverly berichtet MediaPost von 57 gemeldeten Klicks gegen unter 20 Besuche. In einem Marketing-Thread beschreibt ein Werbetreibender denselben Effekt an kleineren Zahlen.
I just implemented it and don't trust the clicks at all. I run PostHog on my site, and although these are very small numbers, OpenAI said I had 5 clicks, but not a single one of those clicks showed in PostHog.
Für die Praxis heißt das, dass die Zahlen im Anzeigenmanager allein nicht ausreichen, um über den Kanal zu entscheiden. Wer ihn testet, braucht eine eigene Messung: eine eigene Zielseite je Kanal und eine Frage im Bestellvorgang, woher der Kunde kommt.
Für Shops gibt es einen Produktfeed, in der Beta und nur für Anzeigen
Ein Shopify-Händler liest im Mai 2026 seine ersten Zahlen aus dem Anzeigenmanager ab und nennt dabei den Mangel, der für einen Shop der entscheidende war.
So far it's expensive and unimpressive. CPC - $1.73 CPM - $52 It can't pull in my Shopify catalog and there are no campaigns for Conversions (though they are coming).
Beides gilt inzwischen nicht mehr. OpenAI dokumentiert Produktfeed-Kampagnen im Anzeigenmanager, mit Google-kompatiblem Feedformat und drei Wegen der Übergabe: Datei-Upload, eine feste HTTPS-Adresse oder SFTP. Jedes Produkt, das für Anzeigen infrage kommen soll, braucht das Feld is_ads_eligible auf true.
Zwei Einschränkungen stehen in derselben Dokumentation. Es ist ausdrücklich Beta, und die Produkte aus dem Feed erscheinen ausschließlich in Anzeigen und bleiben aus den organischen ChatGPT-Antworten heraus. Außerdem verfallen die Einträge nach zwei Wochen, weshalb OpenAI die feste Adresse oder SFTP gegenüber dem Datei-Upload empfiehlt. Ob der Feed in Europa nutzbar ist, steht auf keiner der Seiten, weder als Zusage noch als Ausschluss.
Zwei Dinge müssen vor der ersten Kampagne stimmen
Erstens der Crawler. OpenAI prüft die Zielseite einer Anzeige mit einem eigenen Programm namens OAI-AdsBot und nutzt den Seiteninhalt zusätzlich, um zu bestimmen, wann die Anzeige passt. Kommt dieses Programm nicht durch, scheitert die Anzeigenprüfung. Blockieren kann es an drei Stellen: in der robots.txt, in einem vorgelagerten Schutzsystem wie Cloudflare, und in Abwehrmechanismen der Anwendung selbst. Einen manuellen Weg daran vorbei gibt es laut Dokumentation nicht.
Zweitens die Kontoanlage. Land, Abrechnungswährung und Zeitzone sind danach nicht mehr änderbar, und ein zweites Werbekonto braucht zwingend eine andere E-Mail-Adresse. Das Zahlungsmittel muss zum Land des Kontos passen. Welche Währung ein deutsches Konto bekommt, steht in keinem Hilfeartikel.
Was die Nutzer daran stört, verkleinert die erreichbare Zielgruppe
Für einen Händler ist die Nutzerdebatte deshalb interessant, weil beide Bewegungen darin die Werbereichweite verringern. Wer wegen der Anzeigen in einen höheren Plan wechselt, ist danach nicht mehr erreichbar. Wer ChatGPT ganz verlässt, ebenfalls.
I wasn't planning to leave ChatGPT. The ads have given me a reason to try the competition.
Die Bewegung nach oben beschreibt ein Nutzer im Januar 2026 als Entscheidung, noch bevor die Anzeigen überhaupt liefen.
Announced initially only for the go and free tiers. Will follow into the higher tier subs pretty soon knowing Sam Altman. Cancelling my plus sub and switching over completely to Perplexity and Claude now. Atleast they're ad free.
Wie stark diese Bewegung ist, lässt sich aus einzelnen Beiträgen nicht ableiten. Belegt ist die Gegenrichtung: OpenAI meldet für den 31.08.2026 eine auf das Jahr hochgerechnete Werbeeinnahme von einer Milliarde Dollar, gut ein halbes Jahr nach dem Start.
Warum der Kanal in unserem Portfolio steht
Unsere Einschätzung geht an dieser Stelle über die Zahlen hinaus, und wir kennzeichnen sie als das, was sie ist: eine Erwartung.
Der Anzeigenmanager ist Beta, und die Berichte oben zeigen das. Die Zuordnung von Klicks ist unzuverlässig, die Steuerung ist dünn, der Produktfeed ist neu und in Europa nicht zugesagt. Das sind Mängel eines jungen Werkzeugs.
Der Grund für die Aufnahme liegt darunter. ChatGPT ist eine Oberfläche, auf der Menschen ihre Kaufabsicht ausführlicher formulieren als in einem Suchfeld. Auf jeder Oberfläche, die Kaufabsicht sichtbar macht, hat sich bisher ein Gebotsverfahren angesiedelt. Wir erwarten, dass das hier ebenso kommt, und wollen die Steuerung beherrschen, solange die Auktion dünn besetzt ist.
In einem Marketing-Thread steht dasselbe Argument aus der Praxis, zusammen mit der Bedingung, unter der es trägt.
The early window on a new ad platform is usually the best economics you will ever get on it, thin auctions and desperate-to-prove-itself pricing. Same thing happened with early TikTok ads. The catch is exactly what you said, their attribution is a black box right now. If you test it, run your own measurement from day one.
Der zweite Halbsatz ist die Bedingung. Wer heute einsteigt, misst mit eigenen Mitteln, weil die Zahlen im Anzeigenmanager dafür nicht ausreichen.
Aus den Zahlen oben folgt eine Rechnung, die vor der ersten Kampagne steht. Bei Klickpreisen zwischen 1,72 und 13 Dollar und einer Zielgruppe, die keinen der werbefreien Pläne bezahlt, muss der Deckungsbeitrag eines Shops diesen Klickpreis tragen, also das, was von einem Verkauf nach den variablen Kosten übrig bleibt. Diese Rechnung lässt sich vorher aufstellen, und sie fällt je nach Sortiment unterschiedlich aus.
Was in diesem Fall gilt
Von den acht Werbetreibenden, die bis zum 01.09.2026 Zahlen aus eigenen ChatGPT-Konten veröffentlicht haben, kamen fünf auf null oder fast null Abschlüsse. Alle fünf bewarben Marketing-, SEO- oder Agenturleistungen, also eine Zielgruppe, die auf den werbefreien Plänen sitzt und die Anzeigen nicht sieht. Die drei Berichte mit Ergebnis richteten sich an Endkunden. Die genannten Klickpreise reichen von 1,72 bis 13 Dollar bei einer Startempfehlung von drei bis fünf Dollar. Für den deutschen Markt liegt zu Reichweite, Mindestbudget in Euro und Feed-Verfügbarkeit bislang keine Angabe vor.





